Rolduc oder Rode-le-Duc

Der imposante Abteicomplex bei der limburgischen Stadt Kerkrade wurde im Jahre 1104 von dem junge Priester Aibertus von Antoing (1060-1122) gegründet. Die im romanischen Stil errichtete Abteikirche und Krypta sind das Herz von Rolduc. Aibertus erbaute 1104 eine kleine hölzerne Kapelle. In den Nischen der Fassade fallen die schönen Heiligenfiguren auf und im Innern der Kirche die Wand- und Gewölbemalereien.

Von Adalbert, Graf van Saffenberg (1074-1110), Eigentümer der Burg von ’s-Hertogenrade (das heutige Herzogenrath), erhielt er ein Stück Land, auf dem er diese einfache Unterkunft und kleine Holzkapelle errichtete. Der reiche Embrico van Mayschoss schloss sich mit seiner Familie der kleinen Gemeinde von Ailbertus an und schenkte ihr seine gesamten Besitztümer. So konnte 1106 mit dem Bau der Krypta und der Errichtung der Fundamente der zukünftigen Klosterkirche begonnen werden. Die Krypta wurde 1108 fertig gestellt. Ailbertus starb im Jahr 1122 und in 1895 wurden die sterblichen Überreste von Ailbertus nach Rolduc überführt und in der dort von ihm und Embrico errichteten Krypta beigesetzt.

Die Gemeinschaft wurde ein Kloster der Augustiner-Chorherren, in der anfänglich nach strengen Regeln gelebt wurde. Seit dem 18. Jahrhundert, wurde die französische Übersetzung von ’s-Hertogenrade Rode-le-Duc verwendet. Mitte des 12. Jahrhunderts begann die Blütezeit der Abtei, die bis weit in das 13. Jahrhundert reichte. Um 1250 hatte die Abtei etwa 3000 Hektar Grundbesitz und die Zahl der Klosterbrüder stieg unablässig.

Die Bibliothek entwickelte sich zu einer der bedeutendsten ihrer Zeit. Die Krypta und der später darüber errichtete Altarraum haben eine Kleeblattform. Der westlichste Teil der Krypta (der hintere Teil des Kleeblattstiels) wurde später errichtet. Bei ihrer Einweihung im Jahr 1108 war die Krypta also kürzer als heute. Krypta und Kloster wurden der Jungfrau Maria und dem Erzengel Gabriel geweiht. Aus diesem Grund findet man noch an vielen Stellen des Gebäudes Darstellungen der Verkündung Gabriels an Maria. Es fällt auf, dass alle Säulen der Krypta unterschiedlich sind.

1130 wurde über der Krypta der Altarraum der Kirche errichtet. Acht Jahre später wurden die Querschiffarme gebaut: das linke und rechte Querschiff mit dem dazwischen liegenden Teil. Der Mittelteil war damals noch nicht erhöht, da die Krypta noch nicht verlängert worden war. Vor dem Altarraum lag somit ein langer Quersaal, der von links nach rechts aus drei Gewölbefeldern oder Travéen bestand. 1143 wurde die Kirche in westlicher Richtung um drei Gewölbefelder verlängert. Beim ursprünglichen Plan sollten auf der Seite jeder Travée zwei kleinere Travéen in den Seitenschiffen errichtet werden. Während des Baus wurde der Plan geändert. Bei der zweiten Travée (und später auch bei der vierten) hat man nicht zwei kleinere Travéen in den Seitenschiffen angebracht, sondern die Seitenschiffe als Ganzes erhöht. Dadurch entstanden die so genannten Pseudo-Querschiffe. Von außen hat es den Anschein, als ob neben der zweiten und vierten Travée des Mittelschiffs kleinere Querschiffe vorhanden seien,  Diese Pseudo-Querschiffe dienten der zusätzlichen Abstützung der Gewölbe und der Vergrößerung des Lichteinfalls. Die gleiche Bauweise war bei der älteren und inzwischen abgerissenen Mariakirche in Utrecht verwendet worden und wurde etwas später auch bei der O.L.-Vrouwekerk in Maastricht angewandt.

Nach der Fertigstellung der drei Travéen im Jahr 1143 wurde hinter der dritten Travée eine schwere Abschlussmauer errichtet. Diese hinterste Travée hatte damals noch kein Gewölbe. 1153 wurde das Stroh des Kirchendachs durch Dachpfannen ersetzt. Später im zwölften Jahrhundert wurde die vierte Travée gebaut und der westliche Gebäudeteil errichtet. Ursprünglich bestand er aus einem Mittelteil (auf dem jetzt der Turm steht) und zwei niedrigeren Seitenflügeln.

Die Vorderansicht der Kirche war anfänglich niedriger und gedrungener als heute. 1209 war die Kirche fertig und wurde sie eingeweiht. Noch vor 1225 wurde die Krypta in westlicher Richtung vergrößert, der Stiel des Kleeblattes wurde verlängert. Auch der Altarraum wurde damals entsprechend verlängert und erhöht. Seither spaltet dieser erhöhte Altarraum das Querschiff in zwei Teile. (Quelle: L. Schoonbrood, Rolduc Kurzführer (Kerkrade 2008) und www.rolduc.com)