Das ottonische Herrschergeschlecht und Memleben

Memleben Kloster, Historische Rekonstruktion 1729. Unbekannte Künstler. Foto: Wikipedia

Das ottonische Herrschergeschlecht des 10. Jahrhunderts ist für Memlebens Geschichte von besonderer Bedeutung. König Heinrich I. (876-936) starb in Memleben. Auch Kaiser Otto der Große (912-973)verweilte des Öfteren in Memleben. Auch er verstarb in Memleben. Seine Eingeweide wurden am Ort in einer Marienkirche bestattet, sein Leichnam jedoch in den Magdeburger Dom überführt. Otto II (955-983). nahm den Tod seines Vaters zum Anlass, in Memleben ein Benediktinerkloster zu gründen. Die Mönche sollten für die Memoria Kaiser Ottos I. wie auch für Kaiser Otto II. und seiner Frau Theophanu sorgen. Sie statteten das Kloster reich aus. Auch sein Nachfolger Otto III (980-1002). war dem Memlebener Konvent zugetan. Er verlieh dem Kloster 994 Markt-, Münz- und Zollrecht.

Kaiser Heinrich II. (972-1024), der letzte ottonische Herrscher, bestätigt zunächst dem Kloster seine ihm verliehenen Rechte, nimmt aber 1015 dem Konvent seine Immunität (Eigenständigkeit) und unterstellt das Kloster dem osthessischen Kloster Bad Hersfeld.

Die Gründung des Benediktinerklosters fand nach dem Tod Kaiser Otto I. durch seinen Sohn Kaiser Otto II. und seine Gemahlin Theophanu (960-991) bald nach 973 statt. 979 wurde das Kloster erstmalig urkundlich genannt. Die vornehmste Aufgabe des Mönchskonventes bestand in der Pflege des Gebetsgedenkens für Kaiser Otto I. wie für das Stifterpaar selbst. Das Kloster nahm dank einer intensiven Förderung durch seine Stifter und deren Sohn Kaiser Otto III. einen raschen Aufschwung und gehörte schon bald zu den vornehmsten Reichsabteien.

Augenfälliger Ausdruck dieses hohen Ranges war die erste Memlebener Klosterkirche, die mit ihren 82 Metern Länge und 39,5 Metern Breite zu den größten Gotteshäusern des ottonischen Reiches gehörte. Die Geschichte des Reichsklosters Memleben endete trotz dieser vielversprechenden Anfänge bereits vier Jahrzehnte nach seiner Gründung, als Kaiser Heinrich II. im Februar des Jahres 1015 den Konvent der großen osthessischen Abtei Hersfeld unterstellte. Als Hersfelder Propstei bestand am Ort zwar weiterhin ein Kloster, Memleben blieb jedoch im Hoch- und Spätmittelalter in seiner Geltung auf die Saale-Unstrut-Region beschränkt, gehörte in diesem Raum aber zu den bedeutendsten Klöstern.

Der Memlebener Konvent konnte sogar in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts daran gehen, sich dicht neben der Klosterkirche des 10. Jahrhunderts ein neues Gotteshaus und zugehörende Klausurbauten zu errichten. Diese konnten an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert nochmals intensiv umgestaltet wurden. Umfangreiche Teile sind bis heute erhalten. Im Zuge der Reformation ging das monastische Leben in Memleben zu Ende.

Seit 1991 werden die ehemaligen Klostergebäude für Besucher begehbar gemacht, so dass hier das Museum “Kloster und Kaiserpfalz Memleben” aufgebaut werden konnte und regelmäßig Veranstaltungen stattfinden. (Weitere Informationen: http://www.kloster-memleben.de)