Höllander Flöße auf dem Rhein

Nijmegen, De Bastei. Foto: Eric Brouwer.

Seit Jahrhunderten sind Holzflöße das bemerkenswerteste, aber vergessene Verkehrsmittel auf dem Rhein. Im sechzehnten Jahrhundert begann dieser Transport langsam, nachdem in den Niederlanden 1521 beschlossen wurde, dass Häuser in den Städten nur mit Steinen gebaut werden dürfen. Die Nachfrage nach (langen) Pfählen zur Verstärkung der Fundamente der Häuser in diesem Delta war enorm. Allein der Palast am Dammplatz wurde zum Beispiel auf mehr als 13.000 Pfählen errichtet. Auch die florierende Schiffbauindustrie benötigte sehr viel Holz. Dieses Holz (Eiche, Buche, Kiefer) war in den Vogesen, im Schwarzwald und anderen Waldgebieten am Rhein reichlich vorhanden. Kleinere Flüsse wie Main und Neckar transportierten die gefällten Bäume stromabwärts nach Mainz und Mannheim am Rhein, wo die Pfähle zu riesigen Flößen von bis zu 300 Metern Länge und 60 Metern Breite zusammengebunden wurden. Von Koblenz ging es dann zum Endhafen von Dordrecht, wo das Floß demontiert und an lokale Kunden verkauft wurde. Ein Holzfloß enthielt rund 30.000 m3 Baumpfähle.

Diese riesigen Flöße wurden Höllander Flöße genannt. Es war eine komplizierte logistische Aufgabe, die Flöße flussabwärts mit einer Geschwindigkeit von ca. 16-20 Kilometern pro Tag zu manövrieren. Hunderte von Besatzungsmitgliedern lebten und schliefen auf dem Floß in Holzhütten auf Stroh, der Flottenherr, Steuermann und die anderen wichtigen Herrn hatten angenehmere Hütten. Schweine und andere Schlachttiere, Tausende Kilo Mehl, Käse und Butter, Salz, Erbsen und Bohnen und Zehntausende Liter Bier wurden als Futtermittel mitgenommen.

Alles und jeder musste aus dem Weg gehen gehen, wenn einer der Kolosse auftauchte. Ein kleines Boot mit rot-weißer Flagge segelte eine Stunde voraus, um zu warnen, denn das Floß hielt nicht an. Der Bremsweg mit Dutzenden von schweren Ankern war kilometerlang. Brückenpfeiler, Kais und andere Schiffe mussten oft den Preis dafür zahlen, das Floß konnte einen Schlag ertragen. Hunderte von Besatzungsmitgliedern ruderten das Floß, begleiteten es seitlich oder besetzten die sogenannten Knien vorne mit Seilen. Hunderte dieser Flöße passierten den Waal bei Nimwegen auf dem Weg nach Dordrecht. Es war eine äußerst lukrative Geschäftstätigkeit und die Gewinne waren fabelhaft. Ein Floß entsprach damals einem Wert von bis zu 1 Million Gulden. Die Kosten waren natürlich auch hoch, nur bei der Maut waren etwa 40 000 – 60 000 Gulden beteiligt, zusätzlich zu den Anschaffungskosten für Holz, Mannschaft und Futter. Das letzte Floß überquerte 1967 den Rhein und bestand nur aus 2.500 Pfählen, die von Schiffen gezogen wurden. Vier Jahrhunderte des Transports mit Flößen waren zu Ende.

Eine Nachbildung dieser Holzflöße ist in der Bastei in Nimwegen zu bewundern, wo bis zum 1. September eine Ausstellung des „Nimwegener Panoramablicks“ von Derk Anthony van de Wart (1747-1814) von 1808 zu sehen ist. Dieser Blick ist das älteste noch existierende Stadtpanorama einer niederländischen Stadt und es ist sogar ein gigantisches Floß zu sehen, obwohl dieses Floß später von einem anderen Künstler hinzugefügt wurde. Diese Tatsache verringert aber nicht ihre historische Bedeutung (Quelle: K. Moerbeek, B. Gunterman, Het Nijmeegsch Rondgezicht. Een tentoonstelling over het oudste stadspanorama van Nederland, Nimwegen 2019).