Das goldene Buch aus Echternach

Codex Aureus, Engel mit Tablet, u. 1045, f. 21r. Foto: Wikipedia

In Echternach existierte zwischen 1040 und 1050 die bedeutendste Buchwerkstätte des Salierreichs (1024-1125). Die Kunst der Salierzeit wurde zur Voraussetzung der am Ende des 11. Jahrhunderts und im 12. Jahrhundert beginnenden Romanik in Deutschland. Das goldene Buch von Echternach, “Codex Aureus Epternacensis” zählt zu den bedeutendsten Bücherschätzen des Mittelalters. Es entstand um 1045 in der Benediktinerabtei Echternach, dem wichtigsten Skriptorium der Salierzeit.

Zum Codex gehört ein kostbarer edelsteingeschmückter Buchdeckel. Er ist ein Meisterwerk der Trierer Goldschmiedekunst um 985 und gelangte wahrscheinlich als Stiftung der Kaiserin Theophanu (960-991) und ihres Sohnes Otto III (982-1002) nach Echternach. Der Codex Aureus wurde geschmückt mit diesem Prunckdeckel. Der Codex wurde ausschließlich mit Goldtinte geschrieben und hat weiter alle Kennzeichen einer kaiserlichen Handschrift, doch ist der Auftraggeber unbekannt.
Der Codex enthält den vollständigen Text der vier Evangelien, ergänzt durch Vorreden, Kapitelverzeichnisse und die Kanontafeln. Keine Seite ist unverziert. Initiatelen in Gold und Purper schmücken die Texte, farbige Zierfelder und Zierkolumnen kennzeichnen besondere Textanfänge. Sehr reich gestaltet sind die zehn Kanontafeln unter einer antik anmutenden Bogenarchitektur. Jedes Evangelium beginnt mit einer Sequenz von ganzseitigen Miniaturen und Zierseiten. Der Codex ist eine der am reichsten verzierten Handschriften des Mittelalters.

Eine genaue Analyse des Buchschmucks und Ausstattungskonzepts sowie der Herstellung und eine Untersuchung zu Zusammensetzung und Arbeitsweisen des Echternacher Skriptoriums fehlte bis zum kurzem. Ein neues Studium gewann zahlreiche neue Erkentnisse zu den Entstehungsumständen. Zu den erstaunlichsten Erkenntnissen gehörten die umfangreichen Übermahlungen, die auf fast jeder Bildseite festgestellt wurden. Die Zusammenarbeit der Miniaturisten war offensichtlich sehr eng. Alles deutet darauf hin, dass das Skriptorium in Echternach sich auf Prachtcodices für das Herrscherhaus spezialisiert hatte. Der Codex ist mit anderen Handschriften durch die Verwendung gemeinsamer Vorlagen und einer ähnlichen Ornamentiek und durch personelle Überschneidungen eng Verbunden. Im Gegensatz zu vielen anderen Prunkcodices birgt der Codex keinerlei Hinweise aufen einen Auftraggeber.

Jedenfals hat das Buch das Kloster biz zum Ende des 18. Jahrhunderts mit einer kurzen Ausnahme wahrscheinlich nicht verlassen. Der gute Erhaltungszustand spricht dafür, dass der Codex nur wenig gebraucht wurde und die Schatzkammer höchstens an den wichtigsten kirchlichen Festen verlassen hatte. Die Geschichte hat aber auch den Codex berührt. Mit der franzözischen Revolution mussten die Mönche sich und ihre wertvollsten Besitztümer von den plünderenden franzözischen Truppen in Sicherheit bringen. Zwischen 1801 und 1945 gehörte der Codex zu der Herzoglichen Bibliothek in Gotha. Im Rucksack versteckt soll der Codex im Frühjahr 1945 Coburg erreicht haben. In 1955 erwarb das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg den Codex und seitdem ist der Codex wieder zur Ruhe gekommen. (Quelle: A. Grebe, Codex Aureus. Das goldene Evangelienbuch von Echternach, Darmstadt 2011).