Die Sagas und die EU

Grettir der Starken (Grettis-Saga), anonym, 14. Jhr. Foto: Wikipedia.

Die isländersagas sind unmittelbar bis in die Gegenwart präsent. Die Sagas sind identitätsstiftend für eine ganze Nation. Sie erzählen vom Beginn und Kolonisierung der isländischen Gesellschaft. Von der Landnahme durch Vikingen (diese sind nicht nur direkt aus Skandinavien gekommen, aber auch über Schottland, Irland oder England).

Die Sagas berichten über die Zeit vom späten 9. bis ins frühe 11. Jahrhundert, aber die Sagas sind erst später verfasst worden, im 13. und 14. Jahrhundert. Die Sagas gehören zur allerersten Literatur Islands und erlauben Einblicke in die Zeit vom 9. bis zum 14. Jahrhundert, die Zeit des Hoch- und Spätmittelalters. Die mittelalterlichen Schriften sind übrigens ohne weiteres ohne Übertragung lesbar für die Isländer, da sich die Sprache seit dem Mittelalter kaum verändert hat, etwa ähnlich wie südafrikanisch sich zu der altniederländischen Sprache verhält.

Die Sagas erzählen über die Besiedlung bis zur Organisation des Gemeinschaftswesens, über das Rechtssystem, die Viehhaltung, den Fischfang, die Religion und die Christianisierung, den Handel, die Kunst und die vielen Reisen ins Ausland. Die Isländer segelten, wie die Vikinger, viel und weit, nach Norwegen, Dänemark, England, Schottland, Irland, Frankreich, Grönland, Amerika, ins heiligen Land, nach Italien und Rom, das Baltikum, das heutige Rußland und Konstantinopel.

Der Weg der Saga ist eine lange Geschichte. Sie wurden teils mündlich überliefert, aufgeschrieben, teilweise so oft kopiert (es gab damals noch keine Druckmaschinen) dass es mehrere Variationen gibt. Die Sagas sind nicht in der Originalhandschrift erhalten. Das Bewusstsein für den Wert dieser Geschichten blieb aber unverändert, obwohl auch viele Handschriften verloren gingen. Was bleibt ist eine der ältesten und bedeutendsten Literaturen und Handschriften.

Die Mobilität und Weltoffenheit prägten nicht nur die Isländer, sondern die ganze mittelälterliche und frühmoderne Gesellschaft, auch ohne Flugzeugen, Europäische Union, Internet und Autos. Die Mentalität war schon Grenzenlos und weltoffener als die heutige Europäische Union (Quelle S. Fischer Verlage, Isländersagas, Frankfurt am Main 2011).